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Perfektionismus?

Für Perfektionismus bin ich eindeutig zu menschlich

Perfektionismus ist so ein Thema. Wir alle wissen, dass es nicht gut ist, unrealistisch, nicht biblisch und dass wir eigentlich auch damit nur scheitern können. Ich war viele Jahre sehr perfektionistisch unterwegs, weil ich wollte, dass andere von mir denken, bei mir wäre alles super. Dass das nicht geklappt hat, liegt auf der Hand. Irgendwann kam bei mir der Gedankenschluss, dass ich akzeptieren muss, dass bei mir nicht eben alles perfekt sei. Dank meines standfesten Glaubens an Jesus konnte ich das auch ziemlich gut für mich annehmen, aber mein Verhalten und mein Denkmuster haben sich kaum verändert. Das war und ist ein langwieriger Prozess, aus dem ich mehrere Leitmotive für mein Leben abgeleitet habe, die ich gerne mit euch in diesem Blogeintrag teilen möchte.

1. Schaue auf das, was gut ist
Einer meiner grundlegenden Wesenszüge ist, dass ich ständig auf Fehler schaue. Das können Tippfehler in Büchern sein, Menschen mit pseudo-objektiven schlechten Angewohnheiten oder auch Lehren, die ich für falsch halte. Hier musste ich mich gleich von zwei Trägern lösen: Erstens ist es nicht meine Aufgabe, andauernd zu wissen und auch zu kommentieren, dass ich etwas besser kann. Selbst, wenn es doch nur „ach so gut“ gemeint ist. Eine gute Brücke ist, Hilfe anzubieten, bevor ich wie wild den Schlaukopf heraushängen lasse. Am Ende fühle ich mich nämlich selbst viel zu gut, weil wenn ich die Fehler anderer korrigiere, heißt das noch lange nicht, dass das meine Aufgabe war oder sie weitergebracht hat. Um es mit Matthäus 10,14 zu sagen: Und wo euch jemand nicht annehmen wird noch eure Rede hören, so geht heraus von demselben Haus oder der Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. Zweitens projiziere ich diesen Fokus auch viel zu stark auf mich selbst. Irgendwann schaue ich nur noch auf meine Fehler und was ja besser sein könnte und vielleicht hilft mir ja jemand und an sich bin ich doch nur eine arme Wurst. FALSCH! Ich kann eine ganze Menge und den Rest lerne ich über kurz oder lang oder eventuell gar nicht. Wachstum kann nur aus etwas Gutem entstehen, wenn es gut werden soll. Ganz einfaches Prinzip. Mache dir bewusst, was du kannst und was andere können.

2. Sei dein eigener Pareto
Sehr häufig versuchen wir, unnötig viel Aufwand in eine Sache zu stecken, damit sie absolut perfekt erscheint. Und das tun wir nicht aus Liebe zum Endprodukt, sondern weil wir und andere uns darüber spiegeln, was wir tun. Alles, was wir konsumieren sollen, soll möglichst perfekt wirken, damit wir auch grenzenlos überzeugt sind. Da gibt es mehrere Branchen für, die sich ausschließlich damit beschäftigen, Produkte so zu designen, damit sie eher gekauft werden. Und auch Influencer teilen selten ihre schlechten Seiten oder überspielen diese (Probs an die, die da real sind). Oftmals sind 80% oder 90% auch mehr als genug. Spare dir die Zeit in das unnötige Aufbauen einer Scheinwelt und gib dich damit zufrieden, dass Dinge eben auch mal „vollkommen okay“ sind. Pass auf, dass das nicht in Schludrigkeit ausartet, aber ich denke, die Botschaft ist klar.

3. Denke optimistisch
Leichter gesagt als getan und die Debatte, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, spielt hier auch gar keine Rolle. Glaubst du, dass Gott aus allem etwas Gutes machen kann? Gibt es dann einen Grund, überhaupt pessimistisch zu sein? Oder gar perfektionistisch? Viele (und dazu zähle ich mich auch) schreiben den Perfektionismus eher in die optimistische Schublade, aber es ist das genaue Gegenteil der Fall. Ich will ja eben alles noch schöner, noch bunter, noch besser machen, weil es mir nicht genug ist. Investiere deinen Teil, Gott wird mehr als den Rest dazugeben. Auch das ist leicht gesagt, aber mein Tipp: Wenn du merkst, dass dein Glaube an Gottes Wirken für eine Situation nicht ausreicht, dann erinnere dich daran, welche Schritte er bereits mit dir gegangen ist. Und wenn du neu im Glauben bist oder dir das nicht ausreicht, dann füttere deinen Geist mit entsprechender Nahrung. Das können biblische Zeugnisse sein oder auch welche von lebendigen Personen. Gott redet nicht unerheblich durch Menschen – nutze diese Chance, wenn du seine Stimme selbst zu wenig hörst.

4. Versuche gar nicht erst, etwas in direkt Stein zu meißeln
Hier kann ich auch gerne aus meinem eigenen Leben erzählen. Ich habe recht früh gemerkt, dass meine Wohnung ein absolutes Chaos ist und auch sonst ziemlich eklig (kleiner Tipp, deine Wohnung spiegelt dein Inneres ziemlich gut wider). Dann habe ich mir DEN perfekten Wochenplan zusammengestellt. Und darüber hinaus habe ich DEN perfekten Plan, meine Gewohnheiten zu ändern und auch DEN perfekten Trainingsplan hatte ich aus nachvollziehbareren Gründen nie. Und ich dachte mir immer „Warum klappt das nicht?“. Die Antwort ist zweigeteilt und simpel. Faktisch gehen wir den fünften Schritt vor dem ersten. Du wirst Routinen finden, die dein Leben entscheidend weiterbringen. Aber nicht, wenn du den Inhalt noch gar nicht verstanden hast. Und innerlich wollen wir doch nur Gott überholen. Wir blenden seine eigene Zeitrechnung aus und denken, wenn wir das und das schaffen „praise the Lord“ und alles gut. Fällt man nicht immer in alte Gewohnheitsmuster zurück, weil wir von heute auf morgen alles anders haben wollen und wir dann doch gar nicht damit klar kommen? Psalm 37,5: Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen. ER macht die Wege, nicht DU. Und ER macht es definitiv gut, DEINE eigenen Erfolgsaussichten sind geringer.

5. Trenne dich von Menschenfurchtsfallen
Das Problem ist oftmals gar nicht die mangelnde Bereitschaft zu mehr Gottesfurcht. Viel häufiger kommen wir in diesen Modus, gefallen zu MÜSSEN (wir müssen sowieso nicht, aber ich lasse es für das Feeling mal stehen). Kennst du das, dass von dir Dinge abverlangt werden, wo du dir denkst „mit Gottes Hilfe schaffe ich das vielleicht…“? Ein ganz einfacher Weg, hier auch viel innere Ruhe zu produzieren: Sprich offen darüber, wenn du dich überfordert fühlst. Ein guter Leiter wird Verständnis zeigen, dich motivieren und auch Fehler akzeptieren. Wenn es eine Person nicht interessiert und dennoch nur Leistung fordert, dann ist das wohlmöglich kein guter Einfluss für dich. Wir werden so oft von Leistungsdruck und Erwartungshaltungen sabotiert, dass wir täglich unsere Mini-Burnouts haben. Lass es gar nicht erst so weit kommen. Frage dich bei Entscheidungen, ob sie dich und andere weiterbringen oder ob du das nur tust, um dir selbst oder anderen zu gefallen. Lerne, nein zu sagen. Lerne, nichts verbergen zu wollen. Irgendwann glaubst du deine eigene Fassade, ich habe das sehr lange so durchgezogen.

6. Hast du etwas zu verbergen?
Das geht in dieselbe Richtung wie der Punkt davor, aber irgendwie tun das ja alle. Wenn du etwas hast, dass niemanden etwas angeht, aber der Heilige Geist unermüdlich anklopft, dann fange damit an. Perfektionismus ist oftmals nur ein Kompensationsversuch für unsere elementaren Schwächen. Löse diese Bindung in deinem Herzen. Glaube mir, wenn du weniger zu kompensieren hast, kannst du mit anderen Dingen auch gleich viel lockerer umgehen. Und du übertreibst es auch nicht mit Punkt 2, indem du krampfhaft unperfekt sein möchtest. Gott entgeht es sowieso nicht ;-).

7. Nobody’s perfect – but Jesus
Und damit komme ich zum Schluss und auch wieder zum Titel zurück. Wenn etwas mal nicht läuft oder du Antworten suchst – was würde Jesus tun? Wir dürfen und sollen viel von anderen lernen (und tun das auch öfter unbewusst, als uns lieb ist), aber in letzter Instanz zählt doch, was für die Ewigkeit wichtig ist – nicht für einen kurzen Moment.